Übrigens...
Liebe Leserin, lieber Leser,
Resilienz ist ein Begriff, der unsere politische Diskussion gegenwärtig in Teilen beherrscht. Er ist damit gleichsam ein Seismograph der gefühlten, zunehmenden Unsicherheit.
Wie immer, wenn statt Fakten die Emotionen die Diskussion zu stark prägen, besteht die Gefahr tendenziöser Instrumentalisierung und der Polarisierung.
Insofern sind wir gut beraten, uns mit der Thematik auf der Basis von Tatsachen und gesicherter Erkenntnisse, frei von Ideologien, zu befassen.
Gerade rechtsextreme Kräfte reduzieren politische Sachverhalte auf die ihnen genehmen und entgegenkommenden Schlagworte und machen sie zum Teil ihres Kulturkampfes gegen die Demokratie.
Professor Markus K. Brunnermeier, anerkannter und weltweit renommierter Makroökonom, hat sich zur Aufgabe gemacht, sachlich und umfassend zur Resilienz - Diskussion beizutragen.
Für Markus Brunnermeier ist nach der Corona – Pandemie die Resilienz wesentlicher Bestandteil der Nachhaltigkeit und überlebenswichtiger Faktor unserer Gesellschaften in Zeiten des permanenten Wandels und disruptiver Umbrüche.
Angesichts der großen Gefahr der täglich stattfindenden Cyberangriffe, der durch den Klimawandel sich häufenden Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse und im Bewusstsein, dass grundsätzlich jede Krise weitere auslösen kann, müssen wir uns alle mit der Frage beschäftigen, wie unsere Welt für Mensch und Natur resilient bleiben oder wieder werden kann.
Das gilt in gleichem Maße für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Deutschland als rohstoffarmes und exportorientiertes Land, nahezu jeder vierte Arbeitsplatz hängt vom Export ab, muss im Interesse der Resilienz unabhängiger werden.
Unabhängiger von fossiler Energie, kritischen Rohstoffen für Technologieentwicklung und Produktion sowie technologischen Modulen mit enormer Importabhängigkeit.
Resilient sind wir dann, wenn wir nach einem „Schock“ in der Lage sind, wieder aufzustehen und uns neu zu erfinden.
KI, Klimawandel, Digitalisierung und damit verbunden, die in vielen Bereichen stattfindende Disruption erfordern einen Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Gesellschaft, um den Wandel zu meistern.
Der Paradigmenwechsel darf sich dabei nicht in vielen kleinen Schritten erschöpfen, sondern muss das Ergebnis einer schlüssigen, koordinierten Zukunftsstrategie sein.
Insofern ist die kantische Forderung „sapere aude – habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen“ von aktueller Dringlichkeit.
Dazu bedarf es vieler aufeinander abgestimmter Schritte. Wenn wir fähig sein wollen, die Zukunft zu gestalten und zu sichern, ohne dabei den sozialen Zusammenhalt zu riskieren, dann müssen wir offener und bereiter sein für neues Denken, Experimente und weniger Perfektionismus. Allerdings auch für Überzeugungsarbeit.
Die paralysierende Bürokratie muss dringend abgebaut werden, und allgemeinere Gesetze statt Einzelfallgerechtigkeit müssen zur Norm werden.
Unsere großen Errungenschaften – Ingenieurswissen, Forschung und Sozialpartnerschaft – müssen wir als „komparativen Vorteil“ (David Ricardo) im globalen Wettbewerb nutzen.
KI muss dabei in die industriellen Prozesse integriert und für die Transformationsprozesse optimal genutzt werden, unter Einbeziehung disruptiver Technologien.
Erforderlich ist deshalb ein verstärktes interdisziplinäres Denken und Arbeiten mit modularen Qualifikationen.
Für die Arbeitswelt bedeutet dies mehr „Übergangsschutz“ mit den Möglichkeiten der zur Normalität werdenden „Umqualifizierung.“
Europa muss eine abgestimmte und einheitliche Binnenmarkt-, Handels-, Bildungs- Außen- und Verteidigungspolitik umsetzen, nur so wird eine geoökonomische Strategiefähigkeit wirklich werden können.
Angesichts der veränderten militärischen Weltlage benötigen wir im Verteidigungswesen kürzere Beschaffungszyklen, eine Verzahnung von zivilen und militärischen Technologien (KI, Drohnen, Cyber) sowie eine starke Fertigungsagilität statt verwalteter Bevorratung.
Grundsätzlich müssen wir alle offen dafür sein, die anscheinende Bequemlichkeit des Status Quo gegen die Chancen der permanenten Veränderung einzutauschen.
Nur wenn wir bereit sind zur Veränderung, werden wir Erreichtes und Bewährtes bewahren können.
Dieses Prinzip könnte zum Kern eines modernen Konservatismus der CDU werden, der den Bürgerinnen und Bürgern attraktive Perspektiven bietet.
Übrigens wird die politische und gesellschaftliche Diskussion von denen bestimmt, die Themen anstoßen, überzeugend argumentieren und professionell sowie verständlich kommunizieren.
Das sollte uns alle motivieren, uns einzubringen …
In diesem Sinne hoffe ich, mit diesen Gedanken einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können.
Mit freundlichem Gruß
Ihr
Criticus