Gemeinsame Veranstaltung zur Sicherheit der drei Kreisverbände Senioren Union, Zollernalb, Tübingen und Reutlingen mit Alexander Pick
„So sicher wie heute war es noch nie – und trotzdem haben viele Menschen Angst.“ Mit dieser These eröffnete der frühere Polizeipräsident und ehemalige Leiter der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg, Alexander Pick, seinen Vortrag bei der gemeinsamen Veranstaltung der Senioren Union der Kreisverbände Zollernalb, Tübingen und Reutlingen.
Pick machte deutlich, dass die objektive Sicherheitslage häufig besser sei als ihr Ruf. Gleichzeitig wachse jedoch die subjektive Kriminalitätsfurcht vieler Menschen. Ein deutliches Zeichen dafür sei die stark gestiegene Zahl der Anträge auf den sogenannten „kleinen Waffenschein“, der zum Führen einer Schreckschusswaffe berechtigt. Zwischen 2014 und 2025 habe sich deren Zahl von rund 275.000 auf etwa 872.000 mehr als verdreifacht – eine „explosionsartige Entwicklung“, so Pick.
Eine Studie des Instituts für Kriminologische Forschung Baden-Württemberg, die vom Innenministerium Baden-Württemberg in Auftrag gegeben wurde, zeigt zudem, dass sich fast die Hälfte der Menschen nachts im öffentlichen Raum unsicher fühlt. In öffentlichen Verkehrsmitteln liege dieser Anteil sogar noch höher. Als prägendes Ereignis nannte Pick unter anderem die Kölner Silvesternacht 2015/2016. Auch die Medienberichterstattung mit eindrücklichen Bildern aus Nachrichtensendungen wie der Tagesschau oder Boulevardmedien wie der Bild trage dazu bei, dass sich Unsicherheit in den Köpfen festsetze.
Ein Blick auf die Statistik zeige jedoch ein differenzierteres Bild. So sei Reutlingen laut Kriminalstatistik die sicherste Großstadt Baden-Württembergs. Für 2025 wurden 4.643 Straftaten pro 100.000 Einwohner registriert – ein Wert, der bereits in den 1980er-Jahren ähnlich hoch gewesen sei.
Die Polizeibeamtin Diana Arnold, seit 2003 im Dienst, berichtete jedoch von zunehmenden Gefahren für Einsatzkräfte. Die Einführung der Bodycam durch Innenminister Thomas Strobl sei daher ein wichtiger Schritt gewesen. Auch der Einsatz von Tasern (Elektroschockpistolen) könne in bestimmten Situationen hilfreich sein. Weniger Bürokratie für Polizeibeamte würde helfen, dass mehr Beamte wieder auf die Straße könnten und damit auch das Sicherheitsgefühl der Menschen unterstütze.
Als Mittel gegen Kriminalitätsfurcht empfiehlt Pick einen bewussten Medienkonsum, eine realistische Einschätzung von Risiken sowie ein aktives Miteinander im Wohnumfeld – etwa durch Nachbarschaftspflege und Aufmerksamkeit füreinander.
Zum Abschluss der gut besuchten Veranstaltung nutzten viele der Gäste noch die Gelegenheit zu Fragen und zur Diskussion. Die Vorsitzenden Armin Bachmeyer, Birgit Walter und Liliane Michels bedankten sich bei Referent Alexander Pick mit einem Präsent für seinen interessanten und zugleich nachdenklich stimmenden Vortrag, der bei den Zuhörerinnen und Zuhörern auf großes Interesse stieß.